Filmproduktionen, Tipps

Rezension auf Socialnet: Wo Kindheit Wurzeln schlägt

Wir haben erneut eine wunderbare Rezension von Alexandra Großer, Fortbildnerin, päd. Prozessbegleiterin und systemische Beraterin, bekommen, die auf der Seite socialnet.de veröffentlicht wurde. Dort hat sie, Stand heute, bereits 92 Rezensionen über verschiedene Erscheinungen aus dem pädagogischen Bereich verfasst.

Nun hat sie sich mit unseren Film “Wo Kindheit Wurzeln schlägt” beschäftigt und wieder einmal eine tiefgehende, ausführliche und wunderbare Rezension verfasst. Hier ein paar Auszüge daraus:

“Der Film beleuchtet die pädagogische Praxis von Natur- und Waldkindergärten. Er zeigt, welche Lernmöglichkeiten und Bildungsmöglichkeiten der Wald, die Natur den Kindern bietet, und geht auf die vielfältigen Erfahrungen, die Kinder im Wald und in der Natur machen, ein. Die pädagogischen Fachkräfte berichten im Interview über ihre pädagogische Arbeit, welche Voraussetzungen es braucht, um als pädagogische Fachkraft im Waldkindergarten zu arbeiten.

Autor:in oder Herausgeber:in

Dr. rer. nat. Dr. med. habil. Gerald Hüther ist Neurobiologe und Vorstand der Akademie für Potenzialentfaltung. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und Sachbuchautor. Petra Jäger ist Erzieherin, systemische Beraterin und Mitbegründerin des „Waldkindergarten Flensburg“, den sie seit 1993 leitet. Als Referentin hält sie im In- und Ausland regelmäßig Vorträge zum Thema Wald- und Naturpädagogik. 2014 baute sie mit Lorenzo Filippi eine internationale Föderation der Waldkindergärten auf. Sie ist Mitgründerin des „internationalen Wald- und Naturkindergartentag“ und der Plattform „Global Forstkindergarten“. Reinhild Eggenwirth ist Leiterin des Kindergartens „Waldkinder am Leuchtberg“ in Eschwege. Davor begleitete sie in Nordhessens Buchenwäldern Kinder beim Wachsen, Entdecken, Forschen, Träumen, Sein. Der Film wurde von Steffi Thon produziert. Die Kamera führten Sven Veidt, Steffi Thon und Lena Friesen. Die Off-Sprecherin Anna Barkowski begleitet durch die einzelnen Kapitel. […]

04 Soziales Lernen und Empathie (00:26:10 – 00:32:45)

Gerald Hüther geht nicht davon aus, dass Erwachsene Kindern Empathie beibringen müssen. Er geht davon aus, dass Kinder diese Fähigkeit bereits mitbringen, diese jedoch auf dem Weg zum Erwachsenwerden uns als Erwachsene abhandengekommen ist. Er begründet dies damit, dass wir ein Menschenbild leben, welches geprägt ist von Leistungsdruck, Konkurrenz und Wettkampf. Wir Erwachsene sollten verhindern, dass Kinder „zu früh unter Druck geraten, zu früh in Wettbewerbssituationen kommen“. Kinder fühlen sich mit anderen verbunden. Diese Verbundenheit führt dazu, dass Kinder sich in andere einfühlen können. Wenn es gelingt, Kinder vor diesem Druck und Wettbewerb zu schützen, könnte eine friedlichere Generation heranwachsen, die sich miteinander verbunden fühlt, so seine These. Petra Jäger erklärt dazu, wie sie Kinder dabei unterstützt, ihre Gefühle wahrzunehmen. Vor allem in Konfliktsituationen sei es wichtig, die Kinder dabei zu unterstützen, den Konflikt miteinander zu klären und gemeinsam Lösungen zu finden. Dabei ist es wichtig, den Kindern ihre Gefühle zu lassen und ihnen Raum dafür zu geben. Auch Wut und Aggression dürfen sein. Wir müssen wegkommen davon, Wut und Aggression zu verstecken, sondern Gefühle ernst nehmen. Es ist ebenso unangebracht, Kindern zu sagen, sie sollen sich entschuldigen. Was Kinder brauchen, ist Zeit, um erzählen zu können, wie sie die Situation erlebt haben. Alle, die am Konflikt beteiligt sind, sollten diese Zeit bekommen. Erst dann können die Kinder gemeinsam Lösungen finden. Die Pädagog:innen sind dabei und unterstützen die Kinder bei der Lösungsfindung, die sie selbst erarbeiten und die von der Vorstellung der Erwachsenen auch abweichen darf. So lernen die Kinder, ihre Gefühle wahrzunehmen, gemeinsam Konflikte zu bewältigen, Lösungen zu finden und zu kooperieren. […]

Diskussion

[…] Es sind beeindruckende Filmausschnitte, die die Lebendigkeit, das Leben der Kinder in und mit der Natur zeigen. Wie achtsam, wertschätzend und gleichwürdig die pädagogischen Fachkräfte mit den Kindern umgehen. Der Naturraum bietet Kindern, wenn ihnen ihr Recht auf Abenteuer und Risiko zugestanden wird, viele Bildungsmöglichkeiten, die sie in einem Regelkindergarten nicht haben.

Manch Szene dürfte mancher pädagogischen Fachkraft das Herz in die Hose rutschen lassen, wenn sie die Kinder in den Bäumen klettern sehen, wie Kinder auf Ästen wippen, mit Stöcken hantieren, Feuer machen. Doch gerade dieses Erfahren, was möglich ist, sich selbst zu vertrauen, den eigenen Körper kennenzulernen, zu wissen, welche Schritte notwendig sind, um zu klettern, sich frei zu bewegen, den Raum zu erobern und sich dabei als selbstwirksam zu erfahren, ist es, was Kinder wachsen lässt. […]

Der Film zeigt, dass Kindheit nicht reglementiert, durchorganisiert sein muss und an Konzepten hängt, sondern dass Kindheit dort stattfindet, wo Kinder Kinder sein dürfen, wo sie forschen, entdecken, im Matsch und mit Stöcken spielen, in Bäume klettern, im Gras liegen, in Laubhaufen krabbeln, wo sie ihre eigenen kleinen Abenteuer erleben und träumen können. Gleichzeitig lernen die Kinder die Natur als ihren Lebensraum kennen, als ihr „Wohnzimmer“, wie es Petra Jäger ausdrückt, das es zu schützen und zu erhalten gilt.

Fazit

Der Film „Wo Kindheit Wurzeln schlägt“ ist nicht nur ein Film für pädagogische Fachkräfte, die sich für die pädagogische Arbeit und Bedeutung von Naturerfahrungen interessieren, sondern für alle Menschen, die mit Kindern leben. Er zeigt eindrucksvoll, was Kinder wirklich brauchen, damit sie in ihrem Tempo wachsen, lernen, die Welt erobern und erfahren können.

Rezension von
Alexandra Großer
Fortbildnerin, päd. Prozessbegleiterin, systemische Beraterin

Vollständige Rezension auf: https://www.socialnet.de/rezensionen/33716.php

Wir bedanken uns bei Alexandra Großer und sind schon sehr gespannt auf die nächste Rezension.

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